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Philosophie

 

Mantrailing – Back to the roots!

Die Suche nach einem bestimmten Menschen unter Zuhilfenahme der Hundenase ist mehrere hundert Jahre alt, also kann es nur heißen, zurück zu den Wurzeln jeglicher Suchhundearbeit! Mantrailing hört sich zuerst einmal sehr simpel an und hat in den letzten Jahren viele Menschen mit ihren jeweiligen Hunden in seinen Bann gezogen. Das Prinzip zum Mantrailing kann tatsächlich ein wenig provokant in einem Satz zusammengefasst werden. Den Suchhund einfach nur an einem Gegenstand mit dem anhaftenden Geruch der zu suchenden Person schnüffeln lassen, dann der individuellen Geruchsspur folgen und so den dazugehörigen  Menschen am Ende der Spur finden!


Mantrailing und die dazugehörige geruchsspezifische Ausbildung mit dem Hund-Mensch-Team beinhaltet aber tatsächlich mehr fundiertes Wissen als es viele Ausbilder und Hundeführer zugeben möchten. Die Odorologie ist eine anerkannte Wissenschaft mit vielen interessanten Facetten und somit eine hervorragende Basis für jegliche Nasenarbeit mit dem Hund. Aus der Ferne betrachtet sieht es wohl so aus, als wäre es ein Leichtes diese Arbeit mit einem Nasenspezialisten, wie es der Hund definitiv ist, bei der gewünschten  Suchhundeausbildung umzusetzen.


Mantrailing ist sicher eine der intensivsten und schwierigsten Suchhundeausbildungen weltweit. Ein nasentalentierter Hund und ein absolut  ambitionierter Hundeführer sind eine gute Voraussetzung, aber keine Garantie für eine erfolgreiche Ausbildung. Es gehört eine ausgeprägte Kombinationsgabe, Lernfähigkeit und Wissensdurst als Hundeführer dazu, um die Erfahrungen mit dem Hund auswerten bzw. umsetzen zu können.  Aber gerade diese geniale Herausforderung macht dazu noch unglaublichen Spaß! Es gibt kaum eine engere Teamarbeit zwischen Hund und Mensch, da beide Partner ihren Beitrag zu einer erfolgreichen Suche beisteuern müssen.


Die Grundlagen in der Ausbildung sind somit eigentlich klar definiert. Das natürliche Suchverhalten der Hunde sollte genutzt werden und dessen außergewöhnliche Fähigkeiten noch besser ausgebildet werden. Dies bedeutet in erster Linie die hervorragende Nasenleistung der Hunde fördern ohne die Optik einzubringen und das natürliche Jagdverhalten ausschließlich auf die Suche nach dem Individualgeruch des Menschen umzulenken. Such-, Hetz- und Versteckspiele auf Sicht sind für die Förderung der Nase des Hundes eher kontraproduktiv. Neben der Nasenleistung gehören beim Hund noch die Suchausdauer und der Finderwille zur unabdingbaren Voraussetzung.


Jede Rasse ist geeignet, wenn der jeweilige Hund diese Fähigkeiten und Voraussetzungen zeigt.  Nur die jeweilige genetisch festgelegte Nasenleistung begrenzt die Hunde in gewissen Extrembereichen, wie z.B. bei sehr alten Spuren oder bei klirrender Kälte. Bloodhounds gelten oft als die Wunderwaffe des Mantrailing, dank ihrer sehr guten Nase. Dabei ist die Haltung eine echte Herausforderung und ein nicht gut ausgebildeter Bloodhound ist nicht wirklich besser als jeder andere Hund. Die erfolgreiche Ausbildung hängt absolut nicht von der Rasse ab.


Es gibt viele Ausbildungsmethoden mit gewissen Vor- und Nachteilen, da kommt es auf die sehr individuelle Team-Ausbildung an und jedes Team findet dabei seinen Weg. Verschiedene Ausbildungskonzepte haben im Laufe der Jahre erfolgreiche Teams hervorgebracht. Es gibt eben viele Wege, die nach Rom führen! Dabei sollte jedes Mantrailing-Team und deren Ausbilder offen für einen Austausch von Erfahrungen sein. Neue, abgeänderte oder andere Ideen ohne Vorurteile zulassen und für sich dann überprüfen. Das Multiplizieren von Wissen führt zu einer gemeinsamen Verbesserung des Einsatzmittels Mantrailing und so zu einer höheren Erfolgsquote im Ernstfall.


Sehr oft wird Mantrailing leider mit der Fährtenarbeit verwechselt und dann wird eben auch nicht korrekt ausgebildet. Statt Individualgeruch wird dann der Geruch von Bodenverletzung also Fußspuren verfolgt.  Der Unterschied ist vielleicht auch nicht sofort für jeden Ausbilder oder Hundeführer ersichtlich, aber es ist gravierend. Die Fährtenarbeit, auch Tracking genannt, hat eine enge zeitliche Begrenzung. Diese Spuren sind nach ca. 6 Stunden nicht mehr für den Hund wahrnehmbar und die Zuordnung der Fährten zum einzelnen Menschen ist eher ungenau, aber in einem bestimmten Zeitfenster wohl möglich.


Beim Mantrailing nimmt der Hund die tatsächliche Duftspur des Menschen auf und verfolgt so den Individualgeruch der Zielperson. Diese Duftmoleküle werden vom Wind, der  Thermik und sonstigen Bedingungen beeinträchtigt, landen selten in der Fußspur, eher in der näheren Umgebung,  je nach Beeinflussung. Diese Geruchsspur ist für den Hund nachweislich länger wahrnehmbar und damit auch sicherer zu verfolgen.


Unverzichtbar ist die Ausbildung der Geruchsdifferenzierung ab Welpenalter für das Mantrailing. Eine gute Geruchsdifferenzierung befähigt den Hund einen vorgegebenen Geruch aus vielen Gerüchen zu erkennen und anzuzeigen. Es ist definitiv die wichtigste Grundlage jeglicher Suchhundeausbildung. Jeder vorgegebene Geruch sollte zuverlässig vom ausgebildeten Hund angezeigt werden. Es spielt keine Rolle ob es sich um chemische Gerüche, natürliche Düfte oder den Individualgeruch von Menschen handelt. Diese Ausbildung führt  nicht nur zu einer zielgerichteten Anzeige an der gesuchten Person, es ermöglicht ebenfalls auch das Auffinden und anzeigen der Geruchsspur der vermissten Person.


Ein weiterer wichtiger Schlüssel zu jeder erfolgreichen Suche ist und bleibt aber wohl eindeutig der Geruchsgegenstand. Dieser sollte, wenn möglich, nur mit dem Geruch der zu suchenden Person kontaminiert sein. Die Herstellung oder Sicherung eines nahezu perfekten Geruchsgegenstands erfordert viel Aufmerksamkeit und ist ein eigenständiger Ausbildungsbestandteil für die Hundeführer. Es ist die einzige Möglichkeit dem Hund klarzumachen, welche Person gesucht wird.


Während des Trainings und der Ausbildung  gibt es beachtenswerte Grundlagen, zur Verhinderung von ungewolltem Suchverhalten oder Fehlern, die sich langsam einschleichen können. Ein gut geführtes und ausgewertetes Trainingstagebuch verhindert einseitiges Training. So kann überprüft werden, ob sich Trainingsgebiete, Versteckpersonen, Alter und Länge der Spuren nicht zu oft wiederholen. So entsteht kein Trainingsalltag, der ungewollte Routinen hervorruft.


Ebenso sollte der Hundeführer zwischen bekanntem  und unbekanntem Weg zur  Zielperson variieren, um entweder bekannte Schwächen auszuarbeiten oder eben erlerntes Suchverhalten ohne Korrektur von einem Beteiligten  zu überprüfen. Reale Einsätze sind immer doppelt blind, dass bedeutet, niemand kennt den Verlauf der Strecke außer der Zielperson!


Die Beeinflussung des Menschen auf den Hund ist so gering wie nur möglich zu halten. Richtungsvorgaben durch bewusste oder unterbewusste Signale verhindern, damit der Hund frei arbeiten kann und sich auf seine Nase konzentrieren darf. Eine 100%ige Erfolgsquote beim Training hört sich gut an, ist aber unrealistisch. Sogenannter Misserfolg führt unweigerlich zum Erfolg, wenn der Lerneffekt daraus genutzt wird! Ohne Rückschritte, Frust beim Hundeführer und Anstrengung funktioniert es bei der Mantrailing-Ausbildung auch nicht immer. Hunde sind bei der Jagd nach Wild auch nicht immer erfolgreich, weder frustriert es sie, noch verlieren sie die Motivation für die nächste Jagd.


Die Einsatzmöglichkeit von Mantrailing-Teams ist wirklich breit gefächert und reicht vom Stadtgebiet bis Strand, Berge, Wald, Feld und Wiesen – von nahezu unberührter Natur bis Großstadt! Wenn eine Geruchsspur vorhanden ist und der Abgangsort bekannt ist, dann ist vieles möglich und verfolgbar bis zur gesuchten Person. Dabei spielen dann während der Suche viele Faktoren eine Rolle, wie die Fortbewegungsart, das Klima, die Wetterlage, der  Verkehr, die Länge und das Alter der Geruchsspur.


Mantrailing hat sich aber nicht nur bei den Rettungs- und Diensthunden etabliert und sich damit zu einem adäquaten Einsatzmittel entwickelt. Auch im Sport- und Hobby-Bereich hat sich viel getan. Das Entwicklungspotenzial in diesem Bereich ist enorm und die Funtrailer sind mit großem Erfolg bei der Sache. Viele Mantrailing-Talente werden in  Hundeschulen oder Hobby-Gruppen entdeckt und wechseln gut vorbereitet zu den Einsatzkräften, wo sie dann entsprechend weiter gefördert werden.  Funtrailing macht riesigen Spaß und hat seine Qualität, es darf aber bitte nicht mit einer echten Einsatzfähigkeit verwechselt werden.