Mantrailing / Personenspürhund


Das Wort Mantrailing stammt aus dem englischen Sprachgebrauch. (man = „Mensch“ und trail  = „verfolgen“).

Beim Mantrailing wird, im Gegensatz zur Trümmer- oder Flächensuche, eine Person anhand ihres Individualgeruches gesucht.

 

Die Suchart ist in Europa schon mehrere Hundert Jahre alt und gehört zu den ursprünglichsten Sucharten des Hundes.

In Deutschland ist diese Art der Suche in Vergessenheit geraten, rückt aber seit ein paar Jahren wieder in den Fokus der Suchhundeausbildung.

 

Beim Mantrailing handelt es sich nicht um eine Fährtensuche.

Der Hund verfolgt nicht die Bodenverletzungen sondern den Geruch des einzelnen Menschen.

Dieser kann sich je nach Wetter- und Windverhältnissen und alter der Spur relativ weit von der Tritt-Spur entfernt festsetzen.

 

Ein Mantrailer kann dementsprechend die Spur eines Menschen nicht nur über eine Wiese oder durch einen Wald verfolgen

Ein Mantrailing-Team kann eben auch ohne Probleme im städtischen, bebauten Bereich eingesetzt werden und eine Spur verfolgen.

 

Jede Hunderasse kann die Suchart des Mantrailings erlernen, es gibt nicht den Spezialisten unter den Hund.

Wie gut ein Hund-Mensch-Team sich im Mantrailing entwickelt und wie erfolgreich sie in der Such sind, hängt ausschließlich von der Ausbildung und der Teamarbeit ab.

Das Mantrailing ist für Hund und Hundeführer eine anspruchsvolle Suchart.


Vorraussetzungen Hund

Für das Mantrailing sind wesensstarke Hunde geeignet, da der Mantrailer auch in Stadtgebieten arbeitet, muss er umweltsicher und belastbar sein.

Er muss über längere Zeit konzentriert arbeiten können und Durchhaltevermögen zeigen.

Der Hund darf sich nicht dadurch von der Suche ablenken lassen, dass er von diversen Leuten angesprochen wird oder Autos hupen etc.

Auch gegenüber anderen Tieren muss der Hund sich neutral verhalten.

 

Der Hund muss motivierbar und menschenfreundlich sein, schließlich muss er eine fremde Person finden wollen.

In der Suche sollten Hund und Hundeführer/in sich ergänzen und gemeinsam den Trail erfolgreich gestalten.

Nur gemeinsam ist das Team beim Mantraling erfolgreich.

Druck und "Trieb" sind absolut störend und sinnlos in einer so schwierigen Suchhundeausbildung, wie beim Mantrailing.


Individualgeruch

Jeder Mensch hat einen individuellen Geruch der sich aus unzähligen Zellen zusammensetzt.

Diese Zellen sterben und fallen vom Körper ab (ca. 40.000 Zellen pro Minute).

Da der Körper des Menschen im Vergleich zu seiner Umgebung wärmer ist und die warme Luft aufsteigt, entsteht ein Luftzug nach oben.

Mit diesem gelangen die abgestorbenen Zellen in die Umgebung.

Diese abgestorbenen Zellen werden dann von Bakterien zersetzt.

Der Hund sucht nach diesen verwesenden Zellen und orientiert sich am fortschreitenen Zerfall dieser Partikel.

Das ausströmenden Gas der Zelle wird inkl. des Individualgeruch duch die Baktrienzersetzung verstärkt.


Wissenswertes über Geruch

Die Zersetzung der Zellen durch die Bakterien wird unter anderem durch die Luftfeuchtigkeit und die Außentemperaturen beeinflusst.

Von den Umwelteinflüssen hängt es ab, wie lange eine Spur für den Hund verfolgbar ist.

An sehr heißen Tagen stellen die Bakterien die Zersetzung der Zellen ein und die Spur ist schwieriger zu verfolgen.

Wenn es aber abends kühler wird und die Luftfeuchtigkeit steigt beginnt die Zersetzung durch die Bakterien erneut und die Spur ist für den Hund wieder verfolgbarer.

Starken Einfluss auf die Wahrnehmbarkeit der Spur haben natürlich auch noch zahlreiche andere Umwelteinflüsse und die Beschaffenheit des Geländes.

Bei starkem Wind kann es zum Beispiel sein, dass sich der Geruch nur an einzelnen Grasbüscheln oder in einem Gebüsch fängt weil die meisten Zellen weg gepustet wurden.

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Genau auf die einzelnen Einflüsse einzugehen würde hier den Rahmen sprengen.

Auf jeden Fall ist es unglaublich spannend zu versuchen sich vorzustellen wie sich der Geruch verteilt und was der Hund wahrnehmen kann.


Irrtümer

Man könnte meinen, dass bei Kälte und dementsprechend dicker Kleidung weniger Zellen in die Luft abgegeben werden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Je kälter die Außentemperatur, desto stärker ist der Luftzug am Körper nach oben, weil der Temperaturunterschied größer ist.

Durch warme Kleidung wird dieser „Kamineffekt“ noch erhöht.

 

Je schneller eine Person geht, läuft oder z.B. mit dem Fahrrad fährt, desto einfacher wird es für den Hund.

Das liegt daran, dass hinter der Person ein Luftsog entsteht, der die Zellen nach unten zieht.

So können weniger Bakterien vom Wind fort getragen werden.


Geruchsgegenstand

Damit der Hund weiß, wen er suchen soll, ist ein Geruchsgegenstand erforderlich.

Grundsätzlich kann jeder Gegenstand als Geruchsgegenstand genutzt werden, mit dem die zu suchende Person in Kontakt gekommen ist.

Z.B. Autositz, Türgriff, Schlüssel, Kleidungsstücke etc.

Wichtig ist dabei aber, dass am Besten nur die zu suchende Person mit diesem Gegenstand Kontakt hatte.

Oder dass man zumindest weiß, wer den Gegenstand noch berührt hat.

Wenn die weiteren Person vor Ort sind, können sie vom Hund ausgeschlossen werden und der Hund kann die tatsächlich vermisste Person suchen.

Ein Problem ist es, wenn man nicht weiß, dass eine zweite Person den Gegenstand berührt hat und diese nicht vor Ort ist.

Dann kann es sein, dass der Hund sich die „falsche“ Person aus den beiden Gerüchen heraus sucht und diese verfolgt.

Der Geruchsgegenstand ist also mit besonderer Sorgfalt auszuwählen und zu behandeln.